Das Theaterstück

1852, vier Jahre nach der Gründung des Bundesstaates, erblickte die heute noch aktive Theatergesellschaft Villmergen das Licht der (Bühnen-)Welt. Zwei Jahre später wurde im selben Dorf Lunzi Koch geboren. 2015, also über 160 Jahre später, veröffentlichte Schriftsteller Lorenz Stäger «Der Kammerdiener». Der erfolgreiche Roman über eben diesen Lonzi ist inspiriert durch tatsächliche Vorkommnisse. Basierend auf Stägers Buch wagt es die nun 166 Jahre alte Theatergesellschaft Lunzi Kochs spannende und abwechslungsreiche Lebensgeschichte auf die Bühne zu bringen.

Wir erzählen und spielen also von einem, der sein Dorf verliess, in einem Aarauer Hotel eine Anstellung fand, in Neuchâtel zum Garçon (Kellner) ausgebildet wurde, in Marseille nicht nur arbeitete, sondern sich auch unglücklich verliebte und darum weit weg nach dem russischen Nischni Nowgorod reiste, wo er Zar Alexander bediente. Eines Tages fragte ihn der englische Millionär Mr. Preston, ob er als Diener zu ihm nach London kommen wolle. Lunzi brauchte nicht zu überlegen. In kurzer Zeit lernte er Englisch und überzeugte mit seiner leutseligen Art und seinem offenkundigen Talent als Diener den Millionär. Auf seiner Kammerdiener-Laufbahn traf Lunzi dann immer wieder auf gekrönte Häupter und prominente Schriftsteller, schöne Frauen und verschwiegene Diplomaten. Lunzi hatte also viel zu erzählen, wenn er nach Jahren wieder einmal in Villmergen auftauchte um seine Familie zu besuchen.

Man weiss nicht mehr, welche Stücke man in den Anfangsjahren der Theatergesellschaft Villmergen aufführte. Ob Lunzi damals Theatervorstellungen im Rösslisaal besucht hat, ist ebenso wenig überliefert. In diesem Jahr aber zeigen und erzählen wir mit unserer Inszenierung vom Leben eines Villmergers, der in die Welt hinaus ging und mit seinen Postkarten und seinen Besuchen die Welt ins Dorf am Rietenberg brachte. So erfuhr die staunende Bevölkerung von seiner Reise nach Batavia, vom gewaltigen Ausbruch des indonesischen Vulkans Krakatau, von amourösen Abenteuern mit einer Hawaiianerin, von lustigen Jassrunden fern der Schweiz, von einer Expedition auf den 4000 Meter hohen Mauna Kea, vom Besuch der Weltausstellung in Paris sowie von seiner Butler-Arbeit beim berühmten Klavierbauer William Steinway.

Am Ende unseres Stückes kommt Lunzi wieder in das Dorf zurück, wo er aufgewachsen ist. Anlass ist der 70. Geburtstag seiner Mutter, der standesgemäss im Rösslisaal gefeiert wird. Allerdings hält es Lunzi nicht lange zuhause aus. Er unternimmt nochmals eine letzte Reise.